
Der Schlüssel zu einer funktionierenden Garderobe liegt nicht in der Menge, sondern in der strategischen Berechnung der „Kosten pro Tragen“.
- Ein teureres, aber oft getragenes Kleidungsstück ist eine bessere Investition als ein günstiges Trendteil, das im Schrank verstaubt.
- Statt isolierter „Wow-Teile“ bauen Sie ein funktionierendes Garderoben-Ökosystem auf, in dem jedes Teil mit vielen anderen kombinierbar ist.
Empfehlung: Beginnen Sie noch heute damit, nicht mehr nur Kleidung zu kaufen, sondern ein persönliches, langlebiges System zu kuratieren, das Ihren Alltag wirklich erleichtert.
Kennen Sie das? Der Wecker klingelt, ein neuer Tag voller Termine zwischen Büro, Kita-Abholung und vielleicht noch einer Abendveranstaltung steht bevor. Doch die erste Hürde wartet bereits im Schlafzimmer: ein voller Kleiderschrank, aber absolut nichts zum Anziehen. Dieses Gefühl der morgendlichen Ratlosigkeit ist für viele berufstätige Frauen in Deutschland eine frustrierende Realität. Man kauft schöne Einzelteile, investiert in vermeintliche Schnäppchen und folgt den neuesten Trends, doch am Ende greift man doch immer wieder zu den gleichen wenigen, bewährten Kombinationen.
Die üblichen Ratschläge sind schnell zur Hand: „Investiere in Klassiker“, „Finde deine Farbpalette“ oder „Sortiere gnadenlos aus“. Doch oft bleiben diese Tipps abstrakt und helfen nicht dabei, das grundlegende Problem zu lösen. Sie führen dazu, dass wir zwar einen Trenchcoat besitzen, ihn aber nie tragen, weil er sich nicht stimmig in unseren echten Alltag integrieren lässt. Was, wenn die wahre Lösung nicht darin besteht, eine Checkliste von „Must-haves“ abzuarbeiten, sondern darin, die eigene Garderobe wie ein intelligentes System zu betrachten? Ein System, das auf einer einfachen, aber revolutionären Kennzahl basiert und perfekt auf die Architektur Ihres Lebens zugeschnitten ist.
Dieser Artikel wird Ihnen nicht einfach eine weitere Liste von Kleidungsstücken präsentieren. Stattdessen führe ich Sie als Ihre persönliche Stilberaterin durch einen pragmatischen Prozess. Wir decken die verborgenen Kostenfallen in Ihrem Schrank auf, berechnen den wahren Wert Ihrer Kleidung und entwickeln gemeinsam eine Strategie, mit der Sie aus wenigen Teilen eine maximale Anzahl an Outfits für jede Lebenslage kreieren. So gewinnen Sie nicht nur Stil und Sicherheit, sondern vor allem wertvolle Zeit und Gelassenheit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.
In den folgenden Abschnitten werden wir die typischen Denkfehler entlarven und Ihnen praktische, umsetzbare Werkzeuge an die Hand geben. Lassen Sie uns gemeinsam den Weg zu einer Garderobe ebnen, die für Sie arbeitet – und nicht umgekehrt.
Inhaltsverzeichnis: Ihr Weg zur zeitlosen Garderobe
- Warum Sie 80% Ihrer Garderobe nur einmal im Jahr tragen?
- Wie Sie aus 12 Kleidungsstücken über 50 unterschiedliche Outfits kombinieren?
- Trendteil oder zeitloser Klassiker: Wofür sollten Sie 200 € ausgeben bei einem Jahresbudget von 500 €?
- Der häufigste Garderobenfehler, der selbst teure Einzelstücke nutzlos macht
- Wie Sie mit nur 15 Teilen durch alle vier Jahreszeiten kommen ohne Kompromisse?
- Wie Sie Ihren Figurtyp in 10 Minuten korrekt bestimmen ohne frustrierende Vergleiche?
- Kosten pro Tragen: Warum ein 150 € Kleidungsstück billiger sein kann als eines für 30 €?
- Wie Sie Ihren persönlichen Stil entwickeln jenseits austauschbarer Instagram-Trends
Warum Sie 80% Ihrer Garderobe nur einmal im Jahr tragen?
Der Anblick eines prall gefüllten Kleiderschranks vermittelt ein trügerisches Gefühl von Fülle und Auswahl. Die Realität sieht jedoch meist anders aus. Die meisten von uns haben eine „Uniform“ – eine Handvoll Lieblingsstücke, die wir im Alltag rotieren, während der Rest des Schranks zu einem Museum ungetragener Kleidung wird. Dieses Phänomen ist kein reines Bauchgefühl, sondern statistisch belegt. Es ist das stille Symptom eines tieferliegenden Problems: Wir kaufen Kleidung, aber wir bauen kein funktionierendes Garderoben-Ökosystem.
Eine erschreckend ehrliche Zahl liefert hierfür den Beweis. Eine Studie zeigt, dass in deutschen Haushalten im Durchschnitt fast 79 Prozent der Kleidung in den letzten 12 Monaten nicht getragen wurden. Das bedeutet, vier von fünf Teilen sind reine Platzhalter. Sie sind das Ergebnis von Impulskäufen, schlecht sitzenden Schnäppchen oder Teilen, die zwar schön sind, aber zu nichts anderem in unserem Schrank passen. Eine Greenpeace-Umfrage aus dem Jahr 2015 bestätigte bereits diesen Trend und zeigte, dass jedes fünfte Kleidungsstück in Deutschland so gut wie nie getragen wird – eine enorme Ressourcenverschwendung.
Der Hauptgrund für diese „Schrankleichen“ ist der Kauf von isolierten Einzelteilen anstelle von durchdachten Kombinationspartnern. Wir verlieben uns in ein auffälliges Kleid oder eine extravagante Bluse, ohne zu überlegen, ob wir die passenden Schuhe, Jacken oder Accessoires besitzen, um daraus mindestens drei verschiedene Outfits für unseren realen Alltag zu kreieren. So werden aus potenziellen Lieblingsstücken teure Staubfänger. Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, müssen wir anfangen, unseren Kleiderschrank nicht als Sammlung, sondern als strategisches System zu betrachten.
Wie Sie aus 12 Kleidungsstücken über 50 unterschiedliche Outfits kombinieren?
Die Idee, mit einer minimalen Anzahl an Kleidungsstücken eine maximale Vielfalt zu erzielen, mag wie Zauberei klingen, ist aber das Kernprinzip der sogenannten „Capsule Wardrobe“. Es geht nicht um Verzicht, sondern um intelligente Auswahl. Eine gut kuratierte Kombinations-Matrix aus 12 bis 15 Teilen kann tatsächlich die Grundlage für über 50 Outfits bilden. Der Trick liegt darin, Stücke zu wählen, die wie gute Teamplayer agieren und sich mühelos miteinander verbinden lassen, anstatt als egoistische Solisten im Schrank zu hängen.
Das Fundament sind vielseitige Basics in neutralen Farben (wie Marineblau, Grau, Beige, Weiß oder Schwarz), die durch wenige, sorgfältig ausgewählte Akzentfarben ergänzt werden. Denken Sie an eine gut geschnittene Jeans, eine weiße Bluse, einen hochwertigen Kaschmirpullover und einen klassischen Blazer. Jedes dieser Teile kann sowohl schick fürs Büro als auch lässig für das Wochenende gestylt werden. Um dieses Potenzial zu visualisieren, hilft es, die Kombinationsmöglichkeiten einmal bildlich vor sich zu sehen.

Diese visuelle Darstellung zeigt, wie aus wenigen, aber vielseitigen Kleidungsstücken unzählige Looks entstehen. Ein und dieselbe Hose funktioniert mit der Bluse für einen professionellen Auftritt, mit dem Pullover für einen entspannten Nachmittag und mit einem Seidentop für den Abend. Der Schlüssel ist die bewusste Auswahl von Teilen, bei denen Schnitt, Material und Farbe harmonieren und so ein in sich geschlossenes, aber flexibles System bilden.
Ihr Plan zur perfekten Capsule Wardrobe
- Bestandsaufnahme: Sortieren Sie radikal alles aus, was nicht mehr passt, gefällt oder defekt ist. Seien Sie ehrlich zu sich selbst.
- Basics definieren: Wählen Sie eine Kernauswahl an Teilen, bei denen 80-90 % der Stücke untereinander kombinierbar sind.
- Farbpalette festlegen: Beschränken Sie sich auf eine Basis von 2-3 neutralen Farben und ergänzen Sie diese mit 2-3 Akzentfarben, die Ihrem Hautton schmeicheln.
- Qualität investieren: Setzen Sie bei den Basics auf hochwertige, langlebige Materialien. Diese sind das Rückgrat Ihrer Garderobe.
- Saisonal anpassen: Nutzen Sie eine Richtgröße von etwa 37 Teilen pro Jahreszeit (inklusive Schuhe und Jacken), um den Überblick zu behalten.
Trendteil oder zeitloser Klassiker: Wofür sollten Sie 200 € ausgeben bei einem Jahresbudget von 500 €?
Stellen Sie sich vor, Sie haben ein jährliches Budget von 500 € für Kleidung. Die Versuchung ist groß, dieses Geld für mehrere günstige Trendteile auszugeben, die uns kurzfristig ein modisches Hochgefühl verschaffen. Doch aus strategischer Sicht ist dies oft die schlechtere Investition. Um kluge Kaufentscheidungen zu treffen, müssen wir eine entscheidende Kennzahl einführen: die Kosten pro Tragen (KPT). Diese einfache Rechnung entlarvt vermeintliche Schnäppchen und zeigt den wahren Wert eines Kleidungsstücks.
Die Formel lautet: Kaufpreis / Anzahl der Trageanlässe = Kosten pro Tragen. Ein schnelllebiges Trend-Shirt für 30 €, das Sie vielleicht nur eine Saison lang fünfmal tragen, hat KPT von 6 €. Ein zeitloser, hochwertiger Wollpullover für 200 €, den Sie über fünf Jahre hinweg mindestens 100 Mal tragen, hat KPT von nur 2 €. Plötzlich ist das teurere Teil die deutlich günstigere und nachhaltigere Wahl. Diese Denkweise verlagert den Fokus von der einmaligen Ausgabe hin zur langfristigen Nutzung und Freude am Produkt. Die insgesamt 65,3 Milliarden Euro, die deutsche Haushalte 2023 für Bekleidung ausgaben, zeigen, welch enormes wirtschaftliches und ökologisches Potenzial in bewussteren Entscheidungen steckt.
Wenn Sie also 200 € zur Verfügung haben, investieren Sie diese in einen zeitlosen Klassiker, der das Fundament Ihrer Garderobe stärkt – einen perfekt sitzenden Blazer, eine hochwertige Lederhandtasche oder einen Mantel aus einem langlebigen Material. Die restlichen 300 € können dann für die Ergänzung oder den Austausch anderer Basics oder für ein oder zwei durchdachte, modischere Teile verwendet werden. Der folgende Vergleich verdeutlicht den Unterschied im Wert.
| Kriterium | Fast Fashion (30€) | Qualitätskleidung (150€) |
|---|---|---|
| Lebensdauer | 1 Saison (20x getragen) | 5+ Jahre (200x getragen) |
| Kosten pro Tragen | 1,50€ | 0,75€ |
| Materialqualität | Synthetik/Mischgewebe | Naturfasern/hochwertig |
| Nachhaltigkeit | Niedrig | Hoch |
Der häufigste Garderobenfehler, der selbst teure Einzelstücke nutzlos macht
Der wohl größte und häufigste Fehler beim Aufbau einer Garderobe ist der Kauf von „isolierten Wow-Teilen“. Das sind jene spektakulären Stücke – die Bluse mit dem auffälligen Muster, die Hose in der knalligen Trendfarbe, die Schuhe mit dem extravaganten Absatz –, die uns im Laden anspringen, im heimischen Kleiderschrank aber ein einsames Dasein fristen. Der Grund: Sie passen zu nichts. Sie sind Solisten ohne Orchester und sprengen die Harmonie unseres bestehenden Garderoben-Ökosystems.
Ein teures Designerstück bleibt nutzlos, wenn es nicht mit mindestens drei bereits vorhandenen Teilen zu stimmigen Outfits kombiniert werden kann, die zu unserem Lebensstil passen. Bevor Sie also ein solches Teil kaufen, stellen Sie sich die „Dreier-Regel“ vor: Können Sie damit sofort drei verschiedene Looks für drei verschiedene Anlässe (z. B. Büro, Wochenende, Abendessen) zusammenstellen? Wenn die Antwort „Nein“ lautet oder Sie dafür erst weitere Teile kaufen müssten, ist es eine Falle. Sie kaufen kein Kleidungsstück, sondern den Anfang einer Kette von frustrierenden Folgekäufen.
Weitere kritische Fehler, die selbst hochwertige Garderoben sabotieren, sind:
- Die eigene Passform ignorieren: Ein teures Kleidungsstück sieht nur dann gut aus, wenn es perfekt sitzt. Viele scheuen den kleinen Extra-Aufwand und die Kosten für eine Änderungsschneiderei und lassen so das Potenzial ihrer Kleidung ungenutzt.
- Den falschen Farbton wählen: Eine Farbe mag an sich schön sein, aber wenn sie nicht mit dem eigenen Hautunterton harmoniert, lässt sie uns müde oder fahl aussehen.
- Mangelnde Pflege: Hochwertige Materialien wie Wolle, Seide oder Kaschmir benötigen eine angemessene Pflege. Werden sie falsch gewaschen oder gelagert, verlieren sie schnell an Wert und Schönheit.
Das Bewusstsein für diese Fallstricke ist der erste Schritt zur Besserung. Es geht darum, Impulskäufe durch strategische Überlegungen zu ersetzen und jedes neue Teil als potenziellen Teamplayer für die eigene Garderobe zu bewerten.
Wie Sie mit nur 15 Teilen durch alle vier Jahreszeiten kommen ohne Kompromisse?
Die Vorstellung, mit nur einer Handvoll Kleidungsstücken durch die vier sehr unterschiedlichen Jahreszeiten in Deutschland zu navigieren, scheint zunächst unrealistisch. Der Schlüssel liegt jedoch nicht in der Anzahl der Teile, sondern in der Kunst des Layerings – dem sogenannten „Zwiebelprinzip“. Anstatt vier separate Garderoben zu besitzen, baut man eine Kern-Garderobe aus saisonübergreifenden Basics auf und ergänzt diese durch wenige, saisonal spezifische Stücke.
Das Fundament bilden hochwertige Teile aus temperaturregulierenden Naturmaterialien. Ein T-Shirt aus Merinowolle, eine Seidenbluse, ein leichter Kaschmirpullover und eine gut sitzende Jeans funktionieren das ganze Jahr über. Im Frühling und Herbst werden sie mit einem Trenchcoat oder einer Lederjacke kombiniert. Im Winter kommt ein dicker Wollmantel darüber, ergänzt durch einen Schal und wärmere Stiefel. Im Sommer trägt man die Teile solo. Die Influencerin Charlotte Schüler hat dieses System perfektioniert, indem sie pro Quartal eine Garderobe von 30 bis 40 Teilen kuratiert, die größtenteils aufeinander aufbauen.
Der Fokus liegt auf der Qualität und Funktionalität der Materialien. Anstatt eines dicken, unflexiblen Winterpullovers setzt man auf mehrere dünne Schichten: ein Top, eine Bluse, ein Cardigan. Das sieht nicht nur stilvoller aus, sondern ermöglicht es auch, sich im Laufe des Tages an wechselnde Temperaturen anzupassen – vom kühlen Morgen über das beheizte Büro bis zum frischen Abend. Diese Alltags-Architektur der Garderobe macht sie maximal flexibel.

Wie auf dem Bild zu sehen ist, entsteht durch das Schichten verschiedener Texturen und Materialien ein interessanter und zugleich praktischer Look. Es geht darum, Kleidungsstücke nicht als isolierte Einheiten für eine bestimmte Jahreszeit zu sehen, sondern als Bausteine, die sich intelligent zu einem wetterfesten und stilvollen Ganzen zusammensetzen lassen. So wird die Garderobe zu einem verlässlichen Partner für das ganze Jahr, ohne überzuquellen.
Wie Sie Ihren Figurtyp in 10 Minuten korrekt bestimmen ohne frustrierende Vergleiche?
Die endlosen Vergleiche mit Models und Influencern sind oft frustrierend und führen selten zu echtem Stilbewusstsein. Anstatt sich in starre Kategorien wie „Birne“, „Apfel“ oder „Sanduhr“ zu pressen, liegt der Schlüssel darin, eine ehrliche und wertschätzende Bestandsaufnahme des eigenen Körpers zu machen. Es geht nicht darum, einen vermeintlichen Makel zu kaschieren, sondern darum, die eigenen Proportionen zu verstehen und die persönlichen Vorzüge zu betonen. Nehmen Sie sich 10 Minuten Zeit vor einem Ganzkörperspiegel in gut sitzender Unterwäsche oder Leggings.
Beantworten Sie sich folgende Fragen ganz objektiv, ohne Wertung:
- Wo ist die schmalste Stelle meines Oberkörpers? (Meist die Taille)
- Welcher Teil ist breiter: meine Schulterpartie oder meine Hüften?
- Habe ich eine definierte Taille oder verläuft meine Silhouette eher gerade?
- Welchen Teil meines Körpers mag ich besonders gerne und möchte ihn betonen? (z.B. schlanke Fesseln, eine schöne Schulterlinie, ein tolles Dekolleté)
Basierend auf diesen Beobachtungen können Sie gezielt Schnitte auswählen, die Ihre individuelle Silhouette harmonisieren. Hat Ihre Schulterpartie mehr Präsenz als die Hüfte, schaffen A-Linien-Röcke oder Kleider ein schönes Gleichgewicht. Ist Ihre Taille Ihre schmalste Stelle, betonen Sie diese mit taillierten Blazern, Gürteln oder Wickelkleidern. Es geht darum, eine Balance zu schaffen und den Blick gezielt auf Ihre „Schokoladenseiten“ zu lenken.
Dieses Verständnis für den eigenen Körper ist die Basis für eine wirklich funktionierende Garderobe. Es verhindert Fehlkäufe von Teilen, die zwar an jemand anderem toll aussahen, aber einfach nicht für die eigene Statur gemacht sind. Eine Garderobe, die nur aus Teilen besteht, in denen wir uns wirklich wohl und selbstsicher fühlen, ist der größte Luxus. Sie ist die ultimative Waffe gegen „Schrankleichen“, jene ungetragenen Stücke, die unter massivem Ressourceneinsatz produziert wurden. Wenn wir nur noch Lieblingsteile besitzen, die wir oft und gerne tragen, reduzieren wir nicht nur den morgendlichen Stress, sondern auch unseren ökologischen Fußabdruck erheblich.
Kosten pro Tragen: Warum ein 150 € Kleidungsstück billiger sein kann als eines für 30 €?
Das Konzept der Kosten pro Tragen (KPT) ist der radikalste und zugleich pragmatischste Ansatz, um den wahren Wert von Kleidung zu bemessen. Es durchbricht die Illusion, dass ein niedriger Kaufpreis automatisch ein gutes Geschäft bedeutet. Die meisten von uns besitzen viel zu viele Kleidungsstücke – eine Erhebung zeigt, dass es im Durchschnitt 92 Kleidungsstücke pro Person in Deutschland sind. Ein Großteil davon sind günstige Teile mit hohen KPT, weil sie selten getragen, schnell unansehnlich oder nach einer Saison unmodern sind.
Lassen Sie es uns konkret durchrechnen: Ein Fast-Fashion-Kleid für 30 €, das Sie viermal tragen, bevor es aus der Form gerät oder Ihnen nicht mehr gefällt, kostet Sie 7,50 € pro Tragen. Ein hochwertiges, zeitloses Kleid aus einem langlebigen Material für 150 €, das perfekt sitzt und das Sie über die nächsten Jahre 30 Mal tragen, kostet Sie nur 5 € pro Tragen. Obwohl der Anschaffungspreis fünfmal so hoch ist, ist die Investition pro Nutzung deutlich geringer. Sie sparen also langfristig Geld, wenn Sie in Qualität investieren.
Dieser Perspektivwechsel hat nicht nur finanzielle, sondern auch immense ökologische Auswirkungen. Die Produktion von Kleidung verbraucht enorme Mengen an Wasser, Energie und Chemikalien. Jedes ungetragene oder selten getragene Stück ist eine Verschwendung dieser wertvollen Ressourcen. Würde jede Person in Deutschland nur zwei Kleidungsstücke pro Jahr weniger kaufen, könnten wir das Äquivalent des gesamten CO2-Ausstoßes des innerdeutschen Flugverkehrs einsparen. Ihre Kaufentscheidung ist also nicht nur eine private, sondern auch eine mit großer gesellschaftlicher Hebelwirkung. Anstatt den Kleiderschrank mit kurzlebigen Füllern zu belasten, lohnt es sich, geduldig auf das richtige, hochwertige Teil zu sparen.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine zeitlose Garderobe ist ein System, kein Sammelsurium. Der Fokus liegt auf Kombinierbarkeit und Langlebigkeit.
- Die Kennzahl „Kosten pro Tragen“ (KPT) ist entscheidender als der reine Kaufpreis. Qualität ist langfristig günstiger.
- Vermeiden Sie den Kauf isolierter „Wow-Teile“. Jedes neue Stück sollte zu mindestens drei bestehenden Outfits passen.
Wie Sie Ihren persönlichen Stil entwickeln jenseits austauschbarer Instagram-Trends
Trends kommen und gehen, aber wahrer Stil ist zeitlos und vor allem persönlich. In einer Welt voller schnelllebiger Instagram-Feeds ist es eine echte Herausforderung, die eigene Stil-DNA zu entdecken und zu kultivieren. Es geht nicht darum, Looks zu kopieren, sondern eine visuelle Sprache zu finden, die Ihre Persönlichkeit, Ihren Lebensstil und Ihre Werte authentisch zum Ausdruck bringt. Persönlicher Stil ist das, was übrig bleibt, wenn die Moden wechseln.
Als Minimalismus-Konzept geht es bei der Capsule Wardrobe hauptsächlich um Bewusstsein: Seinen eigenen Kleiderschrank kennenzulernen und sich auf die Teile zu konzentrieren, die man wirklich trägt.
– Greenality, Capsule Wardrobe: Werde Zum Kombinations-Käpsele
Dieses Bewusstsein ist der Ausgangspunkt. Beginnen Sie mit der Erstellung eines digitalen oder analogen Moodboards. Sammeln Sie Bilder, die Sie ansprechen – nicht nur von Outfits, sondern auch von Architekturen, Landschaften, Kunstwerken oder Materialien. Achten Sie auf wiederkehrende Muster: Welche Farben dominieren? Welche Silhouetten? Welche Stimmungen (z.B. gemütlich, minimalistisch, dramatisch, natürlich)? Dieses Board ist der Spiegel Ihrer ästhetischen Vorlieben, frei von äußeren Zwängen.

Analysieren Sie im nächsten Schritt Ihre bestehende Garderobe: Welche sind Ihre absoluten Lieblingsteile, in denen Sie sich zu 100% wie Sie selbst fühlen? Was haben diese Stücke gemeinsam? Oft sind es der Schnitt, das Material oder ein bestimmtes Detail. Diese Erkenntnisse, kombiniert mit Ihrem Moodboard, formen die Leitplanken für Ihre Stil-DNA. Anstatt bei jedem Einkauf von vorne anzufangen, haben Sie nun einen klaren Filter. Sie fragen sich nicht mehr nur „Gefällt mir das?“, sondern „Passt das zu meiner Stil-DNA und meinem Leben?“. So bauen Sie Stück für Stück eine Garderobe auf, die nicht nur funktioniert, sondern eine authentische Geschichte über Sie erzählt.
Jetzt, da Sie die strategischen Grundlagen für den Aufbau Ihrer zeitlosen Garderobe kennen, ist der nächste Schritt die konkrete Umsetzung. Beginnen Sie noch heute mit einer kleinen Bestandsaufnahme und definieren Sie die ersten Kernstücke Ihres persönlichen Systems.
Häufige Fragen zum Aufbau einer zeitlosen Garderobe
Wie viele Teile sollte eine Capsule Wardrobe enthalten?
Es gibt keine feste Regel, aber viele Befürworter der Methode finden, dass 37 Teile pro Saison (inklusive Schuhen und Jacken) ein guter Richtwert sind. Es gibt jedoch auch funktionierende Capsule Wardrobes mit 60-80 Teilen. Wichtiger als die genaue Zahl ist die Kombinierbarkeit und dass Sie sich damit wohlfühlen.
Muss ich alles auf einmal aussortieren?
Nein, auf keinen Fall. Ein radikaler Kahlschlag kann überfordern. Beginnen Sie langsam und strukturiert. Packen Sie zum Beispiel alles, was Sie unsicher macht, für eine Saison in eine Kiste. Was Sie in dieser Zeit nicht vermisst haben, kann weg. So tasten Sie sich schrittweise an Ihren Kernbestand heran.
Kann ich trotzdem individuelle Styles kreieren?
Ja, unbedingt! Eine Capsule Wardrobe ist das Gegenteil einer Uniform. Es geht darum, eine Basis aus Teilen zu schaffen, die Ihre Persönlichkeit widerspiegeln. Die Individualität entsteht durch die Art, wie Sie diese Teile kombinieren, und durch den gezielten Einsatz von Accessoires wie Schals, Schmuck oder besonderen Schuhen.